Über den Irrsinn mit dem Müll…

15.10.2018

 

Wer jemals in den letzten Jahren eine Wanderung gemacht hat in Wald und Flur, eine Paddeltour auf entlegenen Flüsschen oder auf einem der großen Ströme (wie in meinem Fall die Donau), dem wird etwas aufgefallen sein – nämlich das allgegenwärtige Vorhandensein von Plastikmüll aller Art. Reste von Plastiksäcken, Flaschen, Schraubverschlüsse und jede Menge anderer Plastikteile, die eigentlich im Wald überhaupt nichts verloren haben. In den entlegensten, einsamsten Wäldern finden sich solche Teile, und zwar so viele und überall, dass man sie oft gar nicht mehr bewusst wahrnimmt

(Schaut Euch auch auf Youtube den eigens produzierten Song zum Thema an!!)

Während man das auf einem beliebten Wanderweg noch auch die wenigen Umweltschweine unter den Wanderern schieben kann, die ihren Dreck einfach liegen lassen, anstatt wieder mitzunehmen, sieht die Sache bei Flüssen schon etwas anders aus. Besonders schlimm ist es, wenn es Hochwasser gegeben hat, dann hängt in jedem Baum am Flussufer irgendein halb verrotteter Plastikfetzen, den die Strömung angespült hat. Wenn man an irgendwelchen Stränden ein kleines Loch gräbt, wird man unweigerlich auf irgendeine Batterieabdeckung stoßen oder auf andere im Sand vergrabene Plastikteilchen. Ganz arg ist es an den Stränden der beliebten Urlaubsdestinationen, die teilweise so vermüllt sein, dass die Badenden mitten zwischen den im Wasser treibenden Plastikteilen plantschen und man wundert sich, dass dort überhaupt noch jemand ins Wasser geht bzw. dort noch hinfährt…

Nun haben wir Touristen doch immer noch die Möglichkeit, einfach nicht ins Wasser zu gehen. Die Fische hingegen, die Wale, Seevögel, Robben und alle anderen Wassertiere haben diese Möglichkeit nicht. Die müssen in ihrem Lebensraum mit dem Dreck fertig werden, und das können sie einfach nicht, weil die Plastikberge schneller wachsen, als die Organismen sich anpassen können. Wale ersticken an Plastikteilen, die ihre Blaslöcher verlegen, Seevögel krepieren an verschluckten Kunststofffäden, sogar in den Verdauungsorganen von Mikroorganismen finden sich kleinste Plastikpartikelchen. Ganze Ökosysteme verrecken am Plastik.

Jeder kennt die Fotos und Geschichten von durch die Strömungen und den Wind zusammengetriebenen Plastikmengen, die auf den Ozeanen treibend die Fläche von ganzen Ländern bedecken, und trotz heroischer Bemühungen einzelner Organisationen, Menschen und auch Staaten, des Phänomens Herr zu werden, ist keine Besserung in Sicht. Weil Plastik eine Verrottungszeit von einigen hundert Jahren hat, ist auch für die nächsten Generationen garantiert, dass sie mit allgegenwärtigen Plastikrückständen in ihrer Umwelt werden leben müssen, selbst wenn die Produktion und Verwendung von Plastik in seinen unzähligen Varianten in der Sekunde komplett gestoppt würde.

Und damit ist nicht zu rechnen: Wenn auch einzelne Staaten immerhin bereits die Tragetaschen aus Plastik verboten haben, ist Kunststoff aus unserer Welt nicht mehr wegzudenken. Ein sofortiger Produktionsstopp von nicht verrottbaren Materialien ist völlig unrealisierbar. Bei weitem die Mehrheit aller unserer Gebrauchsgegenstände weist einen hohen Kunststoffanteil auf, von den Computern über die Kücheneinrichtungen bis hin zur heiligen Kuh des modernen Industriestaatenbewohners, dem Auto – besonders pervers finde ich es beim Kinderspielzeug. Und das ist nicht nur in den reichen Ländern der „ersten Welt“ so, in den Entwicklungsländern ist es vielleicht noch schlimmer. Auf jedem Markt bekommt man ganz selbstverständlich zu seinen 3 Orangen oder Bananen ein dünnes Plastiksackerl dazu, wenn man mehrere Stände besucht hat, geht man am Ende mit 5 oder 6 solchen Sackerln nach Hause. Ein absoluter Irrsinn. Langsam setzt sich bei einzelnen Obst- und Gemüsehändlern die Erkenntnis durch, dass man wenigstens Papiersäcke verwenden könnte, doch selbst wenn alle Händler ausschließlich Papier statt Plastik verwenden würden, wäre das nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Auch dann würden noch riesige Mengen Plastik anfallen, man denke an den Baustoffhandel und unzählige andere Bereiche, in denen Plastik sowohl als Werkstoff als auch als Verpackung verwendet wird und zu denen wohl auch so schnell keine Alternative in Sicht ist. Neben den offenkundigen kurzfristigen praktischen Vorteilen von Plastik (billig, schnell produziert, kann so gut wie für alles verwendet werden…) stehen wohl auch massive wirtschaftliche Interessen hinter der Plastikflut. Scheinbar ist in unserer Welt alles und Jedes aus Plastik (bei manchen sogar die Gefühle….)

Nur unsere Nahrungsmittel (noch) nicht, weil wohl noch niemand einen Weg gefunden hat, Plastik für den Menschen verdaulich zu machen (es würde mich aber nicht wundern, wenn einige findige Gentechniker in den Labors der Lebensmittelkonzerne bereits an einem solchen Enzym arbeiten..) – zur Zeit muss man den Menschen aber noch mit altmodischer, für den steinzeitlichen menschlichen Verdauungsapparat geeigneter Nahrung satt machen. Geht man aber in unsere Supermärkte, sieht man dort weit mehr Plastik als Nahrungsmittel, angeblich unter anderem aus Hygienegründen. Allerkleinste Mengen werden stückweise in Plastik abgepackt, die ärgste Perversion stellen wohl bereits geschälte und dann wiederum in Plastik verpackte Bananen und Orangen dar. Mengen von 5 Oliven nebst 4 kleinen Stückchen Schafkäse werden in kleine Plastikschälchen gefüllt- der Inhalt ist in 3 Minuten verspeist, der Müll bleibt übrig – die Liste der Beispiele ließe sich endlos erweitern, jeder kennt das aus eigenem Erleben. Und weil natürlich die Plastikverpackungen in den Produktpreisen einkalkuliert sind, kann man durchaus sagen, dass wir für den Müll, den man uns verkauft, auch noch selbst bezahlen – und wir Konsumidioten tragen den Dreck auf noch selbst nach Hause, um ihn dann auf eigene Kosten selbst zu entsorgen…. – Der Gesetzgeber tut wenig dagegen und das nur sehr schleppend, und der gelernte Konsument würde sich wohl nicht wundern, wenn sich herausstellte, dass eine mächtige Lobby prächtig am Plastik verdient und daher seitens des Gesetzgebers das Interesse, rasch und effizient die Plastikflut einzudämmen, enden wollend ist.

Aber immerhin: Gegen den Verpackungsirrsinn in unserem eigenen Umfeld können wir wenigstens ein bischen was tun. Man stelle sich vor, dass jeder Konsument im Supermarkt seine eigenen Taschen mitnimmt und konsequent alles, was irgend möglich ist, noch in der Filiale auspackt und in seine mitgebrachten Behältnisse umfüllt – die Verpackungen bleiben dann natürlich in der Filiale. Ich hab’s ausprobiert. Es erfordert etwas mehr Planung, man muss schon in etwa vorher wissen, was man kaufen wird wollen (was auch dazu führt, dass man überhaupt weniger kauft und somit Geld spart), aber es geht bei erstaunlich vielen Produkten. Die 4 Äpfel in der Plastiktasse kann man ohne weiters auch lose in den Einkaufskorb legen, die Erdäpfeln desgleichen (die sind ja sowieso schon 3 mal in 3 verschiedenen EU – Ländern gewaschen worden….), Fleisch kann man leicht in eine Tupper Geschirr umfüllen (das ist zwar auch aus Plastik, kann aber immerhin sehr oft wiederverwendet werden…) – Zucker und Mehl ließen sich in mitgebrachte Schraubdeckelgläser umfüllen, desgleichen Kaffee, wer ganz radikal ist, könnte sogar die Milch und Säfte in mitgebrachte Glasflaschen umfüllen. Und bei Artikeln, die man nicht umpacken kann, sollte man konsequent zu Produkten in Mehrwegverpackungen und solchen mit Pfandsystemen greifen (Yoghurt im Pfandglas statt im Plastikbecher)

Und vor allem: So perverse Sachen wie einzeln verpackte Früchte und dergleichen einfach NICHT kaufen.!!!

Unter Garantie verringerte sich durch solches Tun die durchschnittliche Menge Müll pro Haushalt auf die Hälfte des gegenwärtigen Volumens. Und wenn das absolut JEDER Konsument machen würde, hätten die Supermärkte bald ein Riesen Problem, denn dann würde wohl innerhalt von 24 Stunden der Verpackungsmüll brusthoch in den Filialen liegen – und dann erst würden sich die Produktdesigner etwas einfallen lassen, denn Probleme lösen die Konzerne nur, wenn sie sie nicht mehr auf den Letzten und Schwächsten in der Lieferkette  – den Konsumenten – abwälzen können und direkt selbst betroffen wären. Plastik verkaufen wollen die Konzerne sehr wohl, sich aber um den Müll dann selbst kümmern, das wollen sie gar nicht. Überspitzt ausgedrückt: erst wenn dem Herrn Generaldirektor der Plastikmüll in seinem eigenen Frühstückskakao schwimmt, wird er kapieren, dass man bis auf weiteres Plastik und Geld nicht essen kann.

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