Über das Singen und Spielen…

Hier ist er also nun, mein erster Blog Beitrag – und was liegt näher, als sich als Erstes mit dem Wesentlichen zu befassen, nämlich mit dem Singen und Spielen von Liedern, vor allem mit dem von selbst geschriebenen solchen.
Was treibt einen Menschen dazu, sich quasi öffentlich nackt auszuziehen, sich (beinahe) allein vor einer Gruppe von Menschen aufzupflanzen und zu erwarten, daß sich diese  für die eigenen Geschichten interessieren, Applaus spenden, sich mit auf die Reise in die eigenen Welten zu begeben und womöglich dafür noch Eintritt bezahlen?

Beginnen wir mit der prosaischsten aller menschlichen Eigenschaften, nämlich persönliche Eitelkeit: Diese ist ganz bestimmt nicht zu leugnen. Jeder Künstler, ob er nun seine Lieder singt, die er sich im mühsamen Schaffensprozess aus den Fingern gesogen hat, oder auf einem Instrument zeigt, was er in langen Jahren des Übens nicht alles erlernt hat, möchte Applaus ernten, ein wenig Bewunderung ernten und dadurch das Gefühl bekommen,  daß sein Tun, aus eigenem Antrieb begonnen, nicht völlig sinnlos ist und eben nicht  nur der Selbstbeweihräucherung dient.  Man darf es ruhig zugeben, und welcher Künstler dies leugnet, wird wohl ein wenig die Augen vor seinen eigenen Schwächen verschließen. Auch das ist menschlich, aber wohl etwas weniger ehrlich.

Doch reicht der Drang nach persönlicher Befriedigung aus? Darf oder kann man mit seiner persönlichen Eitelkeit rechtfertigen, seine Zuhörer beglücken zu wollen, sich auf die Bühne zu stellen und sich für wichtig genug zu halten,  für die Dauer eines Abends deren ungeteilte Aufmerksamkeit zu erheischen? Da braucht es doch auch etwas mehr als nur zu sagen: „ich bin so toll, jetzt müßt ihr mir zuhören…“

Jeder Musiker träumt wohl darüber hinaus davon, mit seinen Liedern mehr zu erreichen als schnellen Applaus und eine volle Hütte. Abgesehen vom Streben nach wirtschaftlichem Gewinn, dessen Erreichen wohl bei den allermeisten Liedermachern sowieso immer nur ein Wunschtraum bleiben wird (ein paar Hitpararadenstürmer ausgenommen) muss es doch noch mehr geben, was dies alles rechtfertigt. Und hier geraten die meisten Künstler in Erklärungsnotstand.  Also doch nur persönliche Eitelkeit?

Manchmal jedoch gelingt es, die Menschen abzuholen mit seinen Geschichten, mit seiner Musik und mit seinen Texten. In seltenen Momenten gelingt es, daß im Raum alles still wird, daß eine eigene Magie einzieht,  daß Künstler und Publikum für ein paar kostbare Minuten innerlich an einem Strang ziehen und auf einer Welle schwimmen. Dann bekommt man eine Ahnung davon, daß man nicht nur nimmt (Zeit , Eintrittsgeld und Aufmerksamkeit) sondern auch gibt, nämlich das Gefühl etwas auszudrücken, etwas, das der Zuhörer vielleicht selbst genau so gesagt haben würde, wenn er selbst Künstler wäre und nicht vielleicht Rechtsanwalt,  Mauerer oder Botenfahrer, wenn er das Handwerkszeug hätte, seine Emotionen passend und treffend in Worte und Töne zu fassen und nicht stattdessen etwas anderes und wahrscheinlich viel  Nützlicheres gelernt hätte.

Wenn nun das gelingt, und der Besucher eines Konzertes, der Käufer einer CD sich zurücklehnt und sich selbst wiederfindet, in sich eine Saite klingen spürt, nach deren Klang er unbewußt schon länger gesucht hatte, dann hätte der Künstler wohl seine nobelste Aufgabe erfüllt. Und das wiederum gibt dem Künstler die Befriedigung, etwas Nützliches getan zu haben.

Also doch wieder nur persönliche Eitelkeit?

Wie man es dreht und wendet, eines bleibt  für Künstler und Publikum doch wohl das Wichtigste: Es macht einfach nur Spaß – und das ist doch schon eine ganz gute Rechtfertigung…

 

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