Über das Covern

Covern, das bedeutet, daß ein vortragender Künstler nicht selbst  geschriebene, sondern von Anderen verfasste Songs bei seinen Auftritten zum Besten gibt oder gar auf Tonträger aufnimmt. Und da stellt sich nun die Frage, warum man denn so etwas machen sollte, wo es doch eigentlich viel originärer wäre, seine eigenen Werke zum Vortrag zu bringen, schon mal aus dem pragmatischen Grund, dass man dann selbst die Aufführungstantiemen – so gering sie in der Praxis bei den meisten auch sein mögen – einstreift und nicht der Urheber des gecoverten Songs.  Dennoch tun es eine Menge Bands,  Liedervorträger (- denn Lieder MACHER kann man dann wohl kaum dazu sagen) und der Trend ist ungebrochen…

Nun ja, da gibt es  auch praktische Gründe: z.B. eine Band spielt zur Party auf – da geht es nicht ohne Covers, die sind schnell vorbereitet, ein Repertoire für eine Partynacht sich eigenständig anzukomponieren, würde Jahre dauern, aber vor allem: die Songs sind bekannt aus Radio und Youtube und und können vom Publikum mitgegröhlt werden. Die Leute wollen und sollen ihren Spaß haben, dazu sind wir Musiker schließlich da, das gilt für den DJ genauso wie für den Sologeiger im Musikvereinssaal  und natürlich auch für den Singer/Songwriter.

Aber genau das ist andererseits auch ein Problem, besonders für diejenigen, die nicht „zum Shaken“ und „Stimmung machen“ aufspielen, sondern bei Konzerten, sich womöglich selbst verwirklichen wollen oder ein Publikum mit auf eine Reise von Geschichten nehmen wollen. Denn diese haben oft aus genau diesem Grund Schwierigkeiten, eine Location für ihre Konzerte zu finden. Wie oft hört man als Musiker vom Veranstalter: „eigene Liada? – na bitte ned, kane eigenen Liada, des kennt jo kana, des wü kana hean, spü Schifoahn oder in Zentralfriedhof, dann kummans g’rennt die Leit…“  – der Betreiber der Location hat natürlich Angst, dass bei einem weniger bis gar nicht bekannnten Act auch kein Publikum erscheint, welches durch eifrige Konsumation die Kassa füllt. Aus seiner Sicht natürlich verständlich – aber wie sollen denn jemals neue Songs bekannt werden, wenn diese niemals aufgeführt werden können, bis sie endlich selbst so bekannnt sind, dass wiederum sie von anderen gecovert werden können? Und wie sollen Songs denn  Airplay im Radio bekommen, wenn die Programmmacher (wie in vielen Sendern Usus) seit 40 jahren die gleichen 50 Songs rauf und runter spielen, vor lauter Angst, es könnte was dabei sein, was irgendwem nicht gefällt, weil er es nicht kennt?

So bleiben denn nun viele Songs, die es wert wären, gehört zu werden, in den Schubladen frustrierter Liederschreiber liegen, die irgendwie das Gefühl haben, schon von vorneherein keine Chance zu haben, weswegen sie gar keine Tonträger mehr aufnehmen, die im Radio gespielt werden könnten (wenn sie es denn bis zum Programmchef schaffen würden, ohne daß ein Major Label anschiebt), während weiterhin zahlreiche „Tribute to XY…“ Veranstaltungen die immer gleichen Lieder der immer gleichen Urgesteine jahrzehntelang bis zum nicht mehr Wiedererkennen wiederholen.

Nun gibt es aber auch viele Musiker, denen es einfach Spaß macht, die Gitarre in die Hand zu nehmen und  einfach nur  Songs zu spielen. Ohne Komplikationen, ohne Kopfzerbrechen, einfach so,  nur Musik machen – na ja und für die ist das Vorhandensein eines Repertoires an vorhandenen Songs natürlich ein Segen. Nicht jeder, der gerne Musik macht, ist in der Lage, auch selbst Lieder zu schreiben, und die meisten von ihnen wissen das auch und das hat absolut seine Berechtigung.

Also wie man sieht, ein vielschichtiges Thema, diese Song Coverei, und wer als selbst Lieder schreibender Musikant ehrlich zu sich selber ist, wird wohl gestehen, daß er sich manchmal ein wenig gekränkt fühlt, dass es nicht seine Songs diejenigen  sind, die gecovert werden und wünscht sich oft ein Publikum, das an Neuem interessierter ist und weniger dem Altbekannten huldigt – bis womöglich die eigenen Songs das Altbekannte geworden sind, und so beginnt sich der Kreis in leiser Ironie von neuem zu drehen.

Alllerdings und abschließend: Wenn man es als Liedermacher (noch) nicht geschafft hat, die großen Hallen bespielen, dann kann man das eigentlich genauso gut mit den eignen Songs machen….

 

Schreibe einen Kommentar