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Über den Irrsinn mit dem Müll…

15.10.2018

 

Wer jemals in den letzten Jahren eine Wanderung gemacht hat in Wald und Flur, eine Paddeltour auf entlegenen Flüsschen oder auf einem der großen Ströme (wie in meinem Fall die Donau), dem wird etwas aufgefallen sein – nämlich das allgegenwärtige Vorhandensein von Plastikmüll aller Art. Reste von Plastiksäcken, Flaschen, Schraubverschlüsse und jede Menge anderer Plastikteile, die eigentlich im Wald überhaupt nichts verloren haben. In den entlegensten, einsamsten Wäldern finden sich solche Teile, und zwar so viele und überall, dass man sie oft gar nicht mehr bewusst wahrnimmt..

(Schaut Euch auch auf Youtube den eigens produzierten Song zum Thema an!!)

Während man das auf einem beliebten Wanderweg noch auch die wenigen Umweltschweine unter den Wanderern schieben kann, die ihren Dreck einfach liegen lassen, anstatt wieder mitzunehmen, sieht die Sache bei Flüssen schon etwas anders aus. Besonders schlimm ist es, wenn es Hochwasser gegeben hat, dann hängt in jedem Baum am Flussufer irgendein halb verrotteter Plastikfetzen, den die Strömung angespült hat. Wenn man an irgendwelchen Stränden ein kleines Loch gräbt, wird man unweigerlich auf irgendeine Batterieabdeckung stoßen oder auf andere im Sand vergrabene Plastikteilchen. Ganz arg ist es an den Stränden der beliebten Urlaubsdestinationen, die teilweise so vermüllt sein, dass die Badenden mitten zwischen den im Wasser treibenden Plastikteilen plantschen und man wundert sich, dass dort überhaupt noch jemand ins Wasser geht bzw. dort noch hinfährt…

Nun haben wir Touristen doch immer noch die Möglichkeit, einfach nicht ins Wasser zu gehen. Die Fische hingegen, die Wale, Seevögel, Robben und alle anderen Wassertiere haben diese Möglichkeit nicht. Die müssen in ihrem Lebensraum mit dem Dreck fertig werden, und das können sie einfach nicht, weil die Plastikberge schneller wachsen, als die Organismen sich anpassen können. Wale ersticken an Plastikteilen, die ihre Blaslöcher verlegen, Seevögel krepieren an verschluckten Kunststofffäden, sogar in den Verdauungsorganen von Mikroorganismen finden sich kleinste Plastikpartikelchen. Ganze Ökosysteme verrecken am Plastik.

Jeder kennt die Fotos und Geschichten von durch die Strömungen und den Wind zusammengetriebenen Plastikmengen, die auf den Ozeanen treibend die Fläche von ganzen Ländern bedecken, und trotz heroischer Bemühungen einzelner Organisationen, Menschen und auch Staaten, des Phänomens Herr zu werden, ist keine Besserung in Sicht. Weil Plastik eine Verrottungszeit von einigen hundert Jahren hat, ist auch für die nächsten Generationen garantiert, dass sie mit allgegenwärtigen Plastikrückständen in ihrer Umwelt werden leben müssen, selbst wenn die Produktion und Verwendung von Plastik in seinen unzähligen Varianten in der Sekunde komplett gestoppt würde.

Und damit ist nicht zu rechnen: Wenn auch einzelne Staaten immerhin bereits die Tragetaschen aus Plastik verboten haben, ist Kunststoff aus unserer Welt nicht mehr wegzudenken. Ein sofortiger Produktionsstopp von nicht verrottbaren Materialien ist völlig unrealisierbar. Bei weitem die Mehrheit aller unserer Gebrauchsgegenstände weist einen hohen Kunststoffanteil auf, von den Computern über die Kücheneinrichtungen bis hin zur heiligen Kuh des modernen Industriestaatenbewohners, dem Auto – besonders pervers finde ich es beim Kinderspielzeug. Und das ist nicht nur in den reichen Ländern der „ersten Welt“ so, in den Entwicklungsländern ist es vielleicht noch schlimmer. Auf jedem Markt bekommt man ganz selbstverständlich zu seinen 3 Orangen oder Bananen ein dünnes Plastiksackerl dazu, wenn man mehrere Stände besucht hat, geht man am Ende mit 5 oder 6 solchen Sackerln nach Hause. Ein absoluter Irrsinn. Langsam setzt sich bei einzelnen Obst- und Gemüsehändlern die Erkenntnis durch, dass man wenigstens Papiersäcke verwenden könnte, doch selbst wenn alle Händler ausschließlich Papier statt Plastik verwenden würden, wäre das nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Auch dann würden noch riesige Mengen Plastik anfallen, man denke an den Baustoffhandel und unzählige andere Bereiche, in denen Plastik sowohl als Werkstoff als auch als Verpackung verwendet wird und zu denen wohl auch so schnell keine Alternative in Sicht ist. Neben den offenkundigen kurzfristigen praktischen Vorteilen von Plastik (billig, schnell produziert, kann so gut wie für alles verwendet werden…) stehen wohl auch massive wirtschaftliche Interessen hinter der Plastikflut. Scheinbar ist in unserer Welt alles und Jedes aus Plastik (bei manchen sogar die Gefühle….)

Nur unsere Nahrungsmittel (noch) nicht, weil wohl noch niemand einen Weg gefunden hat, Plastik für den Menschen verdaulich zu machen (es würde mich aber nicht wundern, wenn einige findige Gentechniker in den Labors der Lebensmittelkonzerne bereits an einem solchen Enzym arbeiten..) – zur Zeit muss man den Menschen aber noch mit altmodischer, für den steinzeitlichen menschlichen Verdauungsapparat geeigneter Nahrung satt machen. Geht man aber in unsere Supermärkte, sieht man dort weit mehr Plastik als Nahrungsmittel, angeblich unter anderem aus Hygienegründen. Allerkleinste Mengen werden stückweise in Plastik abgepackt, die ärgste Perversion stellen wohl bereits geschälte und dann wiederum in Plastik verpackte Bananen und Orangen dar. Mengen von 5 Oliven nebst 4 kleinen Stückchen Schafkäse werden in kleine Plastikschälchen gefüllt- der Inhalt ist in 3 Minuten verspeist, der Müll bleibt übrig – die Liste der Beispiele ließe sich endlos erweitern, jeder kennt das aus eigenem Erleben. Und weil natürlich die Plastikverpackungen in den Produktpreisen einkalkuliert sind, kann man durchaus sagen, dass wir für den Müll, den man uns verkauft, auch noch selbst bezahlen – und wir Konsumidioten tragen den Dreck auf noch selbst nach Hause, um ihn dann auf eigene Kosten selbst zu entsorgen…. – Der Gesetzgeber tut wenig dagegen und das nur sehr schleppend, und der gelernte Konsument würde sich wohl nicht wundern, wenn sich herausstellte, dass eine mächtige Lobby prächtig am Plastik verdient und daher seitens des Gesetzgebers das Interesse, rasch und effizient die Plastikflut einzudämmen, enden wollend ist.

Aber immerhin: Gegen den Verpackungsirrsinn in unserem eigenen Umfeld können wir wenigstens ein bischen was tun. Man stelle sich vor, dass jeder Konsument im Supermarkt seine eigenen Taschen mitnimmt und konsequent alles, was irgend möglich ist, noch in der Filiale auspackt und in seine mitgebrachten Behältnisse umfüllt – die Verpackungen bleiben dann natürlich in der Filiale. Ich hab’s ausprobiert. Es erfordert etwas mehr Planung, man muss schon in etwa vorher wissen, was man kaufen wird wollen (was auch dazu führt, dass man überhaupt weniger kauft und somit Geld spart), aber es geht bei erstaunlich vielen Produkten. Die 4 Äpfel in der Plastiktasse kann man ohne weiters auch lose in den Einkaufskorb legen, die Erdäpfeln desgleichen (die sind ja sowieso schon 3 mal in 3 verschiedenen EU – Ländern gewaschen worden….), Fleisch kann man leicht in eine Tupper Geschirr umfüllen (das ist zwar auch aus Plastik, kann aber immerhin sehr oft wiederverwendet werden…) – Zucker und Mehl ließen sich in mitgebrachte Schraubdeckelgläser umfüllen, desgleichen Kaffee, wer ganz radikal ist, könnte sogar die Milch und Säfte in mitgebrachte Glasflaschen umfüllen. Und bei Artikeln, die man nicht umpacken kann, sollte man konsequent zu Produkten in Mehrwegverpackungen und solchen mit Pfandsystemen greifen (Yoghurt im Pfandglas statt im Plastikbecher).

Und vor allem: So perverse Sachen wie einzeln verpackte Früchte und dergleichen einfach NICHT kaufen.!!!

Unter Garantie verringerte sich durch solches Tun die durchschnittliche Menge Müll pro Haushalt auf die Hälfte des gegenwärtigen Volumens. Und wenn das absolut JEDER Konsument machen würde, hätten die Supermärkte bald ein Riesen Problem, denn dann würde wohl innerhalb von 24 Stunden der Verpackungsmüll brusthoch in den Filialen liegen – und dann erst würden sich die Produktdesigner etwas einfallen lassen, denn Probleme lösen die Konzerne nur, wenn sie sie nicht mehr auf den Letzten und Schwächsten in der Lieferkette  – den Konsumenten – abwälzen können und direkt selbst betroffen wären. Plastik verkaufen wollen die Konzerne sehr wohl, sich aber um den Müll dann selbst kümmern, das wollen sie gar nicht. Überspitzt ausgedrückt: erst wenn dem Herrn Generaldirektor der Plastikmüll in seinem eigenen Frühstückskakao schwimmt, wird er kapieren, dass man bis auf weiteres Plastik und Geld nicht essen kann.

Über die ewige Suderei…

24.6.2018

Einen kritischen Artikel in der Online Ausgabe einer österreichischen Tageszeitung über das Erscheinen einer weiteren wienerischen Ausgabe eines legendären Comic nehme ich zum Anlass, mir Gedanken über ein Phänomen zu machen, das mich schon länger beschäftigt, nämlich die ewige Suderei in Sprache und Text vieler Liedermacher Kollegen.

Aus irgendeinem Grund hat sich in der Kulturszene und besonders bei den Liedermachern die Ansicht breitgemacht, dass das Wienerische sprachlich einfach „tiaf“ sein muss, und das vor allem in Kombination mit einer negativen Grundeinstellung. Da ist immer alles irgendwie grau in grau, meistens ohne auch nur annähernd sprachlich und inhaltlich das Niveau eines Qualtinger und/oder Bronners zu erreichen. Positives – so es überhaupt jemals existiert hat – ist bestenfalls Vergangenheit, die Gegenwart ist jedenfalls immer ganz fürchterlich. Wenn man die Mehrheit der aktuellen Songs im Wiener Dialekt hört, fühlt man sich oft in einen österreichischen Kunstfilm versetzt, dessen erste Szene gleich mal an einer gottverlassenen Bushaltestelle an einem Waldviertler Rübenacker spielt, um 7 Uhr früh an einem eisig-nebligen Wintertag…  –  von einer zähflüssigen Melancholie durchsetzt, dass man sich wundert, dass die Leute in der Früh überhaupt aus dem Bett kommen.

Ich vermisse in den Texten vieler Kollegen eine sprachliche Buntheit, wie sie der der der wienerischen Soziolekte entspricht. Und ich vermisse eine Vielfalt der Stimmungen – man mag meiner Argumentation entgegenhalten, dass das Leben nun mal nicht rosig ist (besonders nicht in Wien…). Stimmt natürlich auch (und zwar überall, nicht nur in Wien) aber das Leben ist auch nicht nur „oasch“, so daß man es nur erträgt, wenn man in Trübsal badet und sich beim nächsten Wirten ansauft…

Nur einige wenige schreiben warmherzige,  positive Texte (ich kenne einen, und dem sein Leben ist definitiv alles andere als rosig) – na ja, ein Text muss ja nicht unbedingt romantisch sein (oder pseudoromantisch wie 99 % der Texte im sogenannten Deutschen Schlager), die Liebe ist ja auch nicht immer rosa, es gibt natürlich auch Satirisches, Witziges,  auch bösartig  Zynisches aber mir kommt vor, dass man Erfolg in Wien sehr viel eher mit düsteren Grautönen erreichen kann, dass ein Künstler viel eher von den Medien wahrgenommen wird, wenn er die Welt in grauen Farben malt – das ist vielleicht wie mit den Schlagzeilen: Katastrophenmeldungen verkaufen sich einfach besser…  – es ist wohl irgendwie schick, alles schwarz zu sehen, und so mancher kennt vielleicht den Dialekt nur in seiner grindigsten Form  – kann sein, dass die grauen Texte sozusagen die Erwartungshaltung der Medien vorausnehmen und in vorauseilendem Gehorsam vorgeben, etwas zu sagen zu haben, und das muss natürlich düster sein, sonst merkt’s ja keiner…

Ich leugne keineswegs, daß das Leben nicht immer einfach ist, und es muss natürlich auch entsprechende Texte geben, aber ich weigere mich so zu tun, als wäre die Welt immer und ausschließlich nur Scheisse  (und schon gar nicht für die, die immer so tun und ganz gut davon leben) – das Leben kann verdammt schön sein, und man sollte auch gelegentlich drüber schreiben und sich drüber freuen.

So hört man denn auch (nicht nur in Wien) ununterbrochen das Wort Krise – nebst der Angstmache vor den fürchterlichen Folgen der gegenwärtigen Situation. „Jetzt in der Krise“ dürfen wir uns seit ca. 10 Jahren an jeder Ecke anhören. Nur: Krise sieht anders aus, 1944 war Krise, 1622, 1683, 1679, 1915 etc etc, DAS waren Krisen – in Wahrheit geht es uns so gut wie nie zuvor.

Vielleicht ist der Wiener ja wirklich ein geborener Suderant, aber ich glaube die ärgsten Raunzer und Misanthropen sind die, denen es eh recht gut geht  (auch da kenne ich einen, der eigentlich alles erreicht hat, und dennoch in regelmäßigen Abständen auf diversen Plattformen postet, wie sinnlos und trübe nicht alles ist….)  – wer wirklich am Boden ist, der hat keine Zeit zum Sudern, sondern packt seine Probleme an und schaut, dass es ihm wieder besser geht…

Die in vielen Texten durchschimmernde Einstellung „Ollas is Oasch, heit sauf i mi nieder“ – geht mir jedenfalls gründlich „am Zaga“

Über das Scheffeln von Kohle…

14.4.2018

Erst mal vorweg: Jeder würde gerne mächtig Kohle, und zwar nicht unbedingt verdienen (das wäre ja mit Aufwand verbunden…), sondern einfach nur  haben. Bei den meisten Menschen quer durch die Menschheitsgeschichte, und mögen sie sich noch so idealistisch geben, findet sich im Hintergrund der wahre Zweck ihres Tuns, nämlich sich selbst in eine ökonomisch möglichst vorteilhafte Position zu bringen.

Ich gebe zu, ich bin auch keine Ausnahme: Eine schöne Villa, möglichst in einer angenehmen Klimazone in Strandnähe gelegen, ein hübsches Auto mit allen möglichen Extras, dazu ausreichend Hauspersonal, das die Drecksarbeit wie Staubsaugen, Rasenmähen und Kloputzen erledigt, das alles lässig aus der Portokasse finanziert, dazu noch das nötige Kleingeld, um nach Lust und Laune nach Paris oder sonst wohin zum Shoppen zu jetten – das ist eine Vorstellung, die durchaus ihren Reiz hat.

Und was tun die Menschen nicht alles, um solches zu erreichen. Sie gründen politische Parteien, Firmen, Religionsgemeinschaften und Gewerkschaften, lügen, betrügen, stehlen, rauben und morden und kommen auch sonst auf die absurdesten Ideen, wie sie es hinbekommen könnten, sich die Taschen zu füllen. Bei weitem nicht alle dieser Ideen bewegen sich im Bereich der Legalität.  Manche sind so dummdreist, dass die vermeintlich geniale Geschäftsidee ziemlich schnell vor dem Richtertisch endet, es sollen sogar schon Leute versucht haben, Geldscheine mittels Farbkopierer zu vervielfältigen – jedenfalls mit normaler ehrlicher Arbeit lässt sich wohl kaum echter Reichtum anhäufen.

Sich mit so Dingen wie organisiertem Verbrechen zu befassen, ist auch nicht jedermanns Sache. Auch hier gelingt es nur den Wenigsten, den Weg an die Spitze zu überleben, auch wird man dann wohl kaum seinen Reichtum in Ruhe genießen können, weil man ständig fürchten muss, dass man von irgendeinem Kontrahenten abgeknallt wird oder dass einem ein Sondereinsatzkommado der Polizei die Türen eintritt. Abgesehen von der moralischen Dimension einer solchen Existenz; wiewohl die meisten Menschen in der Praxis weniger ethisch handeln mögen, also sie in der Theorie vorgeben, braucht es wohl für eine erfolgreiche Karriere als Mafiaboss eine besondere Portion moralischer Skrupellosigkeit. In letzter Konsequenz will am Ende dann doch nicht jeder über Leichen gehen, und sei es nur, weil er kein Blut sehen kann.

Auch das Gründen einer Religionsgemeinschaft kommt nur für wenige in Frage; wer will denn dann schon lebenslänglich vorgeben, selbst an den Blödsinn zu glauben, den man sich aus den Fingern gesaugt hat, um seine Getreuen zahlungskräftig bei der Stange zu halten…

Also echten Aufwand will man nicht betreiben müssen, um das alles zu finanzieren, was das Leben angeblich so angenehm macht: Was nützt einem die Luxusvilla mit Pool, Wellnessbereich und hauseigenem Golfplatz, wenn man 14 Stunden am Tag von einem Termin zum nächsten hetzen muss, um das alles zu bezahlen und am Ende von seinem Anwesen eigentlich nur das Klo, das Schlafzimmer und den Weg zur Garage kennt und beim morgendlichen Verstoffwechseln des vorabendlichen Kaviars einen Leibwächter hinter der Spülung stehen haben muss…

Dennoch phantasiert wohl ein Jeder gelegentlich von einem sorgen-und stressfreien Leben in finanziell komfortabel ausgestatteter Umgebung. Doch selbst die Wenigen, denen so ein Dasein schon durch ihre Herkunft in die Wiege gelegt ist, wie die Erben alter Industriekonzerne und noch älterer Adelshäuser, können ihren Reichtum nicht so unbeschwert genießen – die wiederum sind an eine Unmenge teils skurriler Konventionen gebunden, müssen ständig aufpassen, daß ihnen beim gemütlichen Treffen mit der unbekannten Strandschönheit nicht ein Paparazzo den Pimmel abfotografiert und müsssen einen Teil ihres Vermögens an karitative Organisationen abgeben, um zu beweisen, dass ein großes Vermögen zu besitzen nicht automatisch bedeutet, ein schlechter Mensch zu sein.

Man könnte Rockstar werden und einen Hit schreiben. Aber das funktioniert auch nicht so ohne weiteres – ich hab’s probiert, es klingt leichter als es ist: dazu braucht man Talent, Ideen, Beziehungen, einfach nur saumäßiges Glück, man rennt sich die Hacken ab beim Hetzen von einem in-Event zum nächsten und am Ende artet es wieder nur in Arbeit aus.

Na ja, und bis der 36 ste Song auf der 5 ten selbst produzierten CD endlich ein Hit wird, bis sich herausstellt, daß man ein jahrzehntelang verheimlichter halblegitimer Sproß aus einem Fehltritt der eigenen Mutter mit einem antarktischen Prinzen ist und man somit über 3 Ecken einem atlantischen Königshaus angehört – solange wird man sich bescheiden, ohne Leibwächter aufs Klo gehen, am Strand entspannt unbeobachtet schnaxeln, sich benehmen wie man will und sich in Zeiten der finanziellen Depression mit einer einfachen Lebensweisheit trösten:

Die Sonne scheint für alle gratis….

Über den Osterhasen

31.3.2018

Nachdem nun schon wieder 3 Monate seit Weihnachten vergangen sind, wird es Zeit, sich über die nächste Festivität Gedanken zu machen. Jawoll, es ostert und pünktlich zum Karsamstag habe ich mir da so meine Gedanken gemacht:

Nämlich über den Osterhasen – der scheint nämlich ein recht seltsames Tier zu sein. Über seine Entstehung ranken sich ja allerlei Gerüchte. Laut Wikipedia stammt er zum Teil von einem Osterfuchs und zum Teil von einem Osterhahn ab. Wir sollten aber froh sein, daß Hahn und Fuchs sich doch zum Osterhasen weiterentwickelt haben, denn einen Osterfuchs hätte das Seuchenamt ganz sicher schon wegen der Tollwutgefahr verboten, und Hähne gibt es ja eigentlich keine mehr, denn alle Brathühner, die in der Tiefkühlung auf Käufer warten, sind ja weiblich…  – Die Frage, wie Fuchs und Hahn einen Hasen hervorbringen konnten, beschäftigt wohl Evolutionsbiologen wie Fetischisten gleichermaßen, doch die detaillierte Betrachtung dieser Frage würde wohl die Grenzen der Jungendfreiheit sprengen.

Anders als der Weihnachtsmann, der sich  Ho-hooo brüllend von möglicherweise betrunkenen Rentieren über den Himmel ziehen lässt, macht der Osterhase erst mal weniger Lärm, das macht ihn schon mal viel symphatischer. Der Osterhase kommt heimlich, still und leise und hinterläßt keine Spuren. Allerdings muss der arme Hase die vielen Eier vorher selbst bemalen, diese dann verteilen und außerdem noch verstecken, nicht einfach nur abwerfen wie der Weihnachtsmann seine Pakete. Noch nie hat man von bunten Eiern gehört, die durch den Kamin gekullert wären. Wenn dann der Kamin noch dazu beheizt würde (was bei den winterlichen Temperaturen in diesem Jahr durchaus wahrscheinlich wäre), gäbe es zu Ostern Unmengen verkohlter Eier mit bunten Schalen drin. Weil also der Osterhase schlau zu sein scheint, verteilt er die Eier einfach in den Gärten und überläßt den Leuten selbst das Suchen. Weil es zu Ostern auch oft noch recht kalt ist, besteht auch nicht die Gefahr, daß Millionen  nicht gefundener Eier in der Sonne vergammeln und die Umwelt mit dem Mief fauler Eier belasten. Daß es stinkt, das kriegen die Menschen ja auch ohne Osterhasen ganz wunderbar hin, dazu braucht es nun wirklich keine Ostereier.

Weiters muss man dem Osterhasen zu Gute halten, daß er weit weniger Mist hinterläßt, als der Weihnachtsmann. Dessen Geschenke sind ja bekannterweise alle schön verpackt, meist in doppelt mit Kunststoff beschichtetem Glanzpapier, also Sondermüll, der nach 3 Stunden im Container landet und nach 6 Wochen im Meer schwimmt. Des Osterhasen Eier sind immerhin fast a la nature, nur ein wenig bemalt, und das meist mit Biofarben, also weit weniger bedenklich. Da hat das Lebensmittelamt schon sein Auge drauf, die Behörden lassen es sicher nicht zu, daß wir mit synthetischer Giftfarbe belastet werden. Über die Lebensmitteltauglichkeit von Eierfarben gibt es sicher eine 150 Seiten lange EU Verordnung in 27 Sprachen, die nachzurecherchieren mir aber zu mühsam war. Wenn wir also davon ausgehen, daß der Osterhase ein gesetzestreuer Nager ist, dann können wir die Eier unbedenklich essen, auch wenn sie uns schon nach einer Woche zum Hals heraushängen. Dieses Schicksal teilen sie übrigens mit den Weihnachtskeksen.

Was den Osterhasen auch sehr viel symphatischer macht ist die Tatsache, daß er in der Werbung nicht schon 6 Wochen vor dem Termin durch die Medien stolpert, sondern erst einige Tage davor. Irgendwie hat es die Konsumgüterindustrie trotz aller Bemühungen noch nicht geschafft,  Ostern im gleiche Maße zu kommerzialisieren, vielleicht weil die Menschen in der relativ kurzen Zeit nach Weihnachten noch von dem Trubel übersättigt sind. Und Ostern auf den Sommeranfang zu legen, dazu hat wohl nicht einmal die Geschenkelobby die Macht. Wenigstens etwas, das eine Lobby niemals zustande bringen wird…

Am Ende haben der Weihnachtsmann und der Osterhase einige Gemeinsamkeiten: von beiden gibt es unzählige Schokoversionen in allen Größen, und beide läuten den Beginn einer Jahrezeit ein. Glücklicherweise ist es beim Osterhasen aber der Frühling. Vielleicht ist mir persönlich der Osterhase auch deswegen sehr viel symphatischer.

Die Frage, woher denn der Osterhase alle die vielen Eier her hat, wird wohl ein ewiges Rätsel bleiben: Muss er die alle selber legen?

über die schönste Zeit im Jahr

16.12.2017

Nun ist es wieder so weit, wie alle Jahre wieder – es weihnachtet.  Gnadenlos. Wenn nach den letzten goldenen Sonnenstrahlem die Tage wieder kurz geworden sind, dann bricht unentrinnbar der X-Mas Virus wie eine Seuche über die Menschheit herein. Spätestens  wenn die erste Weihnachtswerbung in Radio und TV gesendet wird. Ob man will oder nicht, die sogenannte schönste Zeit des Jahres ist ausgebrochen …

Ja genau, die schönste Zeit im Jahr soll das sein. Zugegeben, in der Früh wird’s erst um ca. 8 Uhr hell, dafür wird’s ja auch schon um 16 Uhr wieder finster. Das ist natürlich sehr schön – vor allem für die, die lange schlafen können, die werden nicht durch  einen lästig kitschigen Sonnenaufgang um 4 Uhr früh gestört – und wer gerne um 18 Uhr schlafen geht, kann eine Menge Strom sparen. Dazu kommt auch noch das beste Wetter des Jahres – nämlich konstant um die Null Grad, mit periodischen Nieselregenschauern, unterbrochen von Graupel und Eis/Schneeregen. Also ideal um sich im Freien aufzuhalten, am besten auf den diversen Weihnachtsmärkten. Da steht man dann an rustikal aussehenden Tischchen neben ebenso rustikal aussehenden Verkaufsbuden und friert sich die Zehen zu gefühllosen Klumpen – dazu trinkt man dann sogenannten Punsch, also heißes Wasser mit viel Zucker, irgendwelchen bunten Zusätzen und recht viel billigem Schnaps, aus dem Plastikkanister ausgeschenkt zu Preisen, die einem schwindeln lassen würden, wäre man nicht sowieso komplett weihnachtsbenebelt. Und WC’s gibt’s auch immer viel zu wenige….

Wenn‘s dazu auch noch schneit, sammelt sich unter den tausenden herumstehenden Füßen eine Mischung aus Wasser, Streusalz und Dreck  und man steht bis zu den Knöcheln im Gatsch. Aber romantisch ist es immerhin, vor allem auch wegen der Unmengen Kitsch, den man daneben kaufen soll, von bunter Windbäckerei (die am Heimweg in der Tasche zerbröselt) bis zu aus China importierten selbstfliegenden  Plastikdrohnen im Rentierdesign. Was nur irgendwie  heimelig aussieht, lasst sich prächtig verkaufen, und die vom Schnaps umnebelten Gehirne zücken willig die Geldtasche, wie es sich für den gut erzogenen Konsumenten gehört. Dann steht das Zeug  als pseudodekorativer Staubfänger herum, um dann bis nächstes Jahr in der berühmten „Weihnachtskiste“ vergessen zu werden, so dass man wieder neue urige Holzlöffeln und dergleichen kaufen kann am Weihnachtsmarkt.

Ja und dazu dröhnt ununterbrochen Musik, nämlich Weihnachtslieder, aus allen Rohren:  Es gibt offensichtlich eine unabänderlich festgesetzte Zahl von Songs, die von irgendeiner übergeordneten Instanz zu Weihnachtslieder erklärt wurden und die von allen Radiokanälen rund um die Uhr bis zum Erbrechen in unzähligen Versionen rauf und runter gespielt werden. Die handeln von  sprechenden Schneemännern, von rotnasigen Rentieren auf fliegenden Schlitten und von allgemeiner Weihnachtsseligkeit, fast immer auf Englisch und unablässig begleitet von den unvermeidlichen Schlittenglocken  – denn wenn wo Glöckchen dran  sind, muss es was mit Weihnachten zu tun haben. Wenn einem Musikproduzenten nix einfällt, dann nimmt er ein paar gesamplete Glocken und HURRA wir haben ein Weihnachtslied. Die Schlitten, auf dem die Glocken drauf sein sollten, gibt’s höchstens am Nordpol, aber wer will da schon wohnen, und außerdem haben die wenigen Bewohner der Arktis längst Motorschlitten. Und überhaupt ist an einer Polarnacht absolut nichts romantisch, bei Eiswind und Temperaturen unter minus 30 Grad. Zugegeben, es gibt einige wenige wirklich schöne Weihnachtslieder, aber die wären auch ohne Weihnachten einfach nur schöne Lieder..

Und dann ist da ja noch der Weihnachtsmann!! Was ist das denn eigentlich für ein Typ, den man da aus den USA importiert hat? Anstatt sich nun das Jahr über ein alltagstaugliches Quentchen Kindlichkeit zu bewahren, wird die gesamte Sehnsucht nach etwas, an das man glaube könnte,  auf einen alten  dicken Kerl mit weißem Bart projeziert, der „Ho-Ho-Hooo“ brüllend Geschenke verteilt. Und darum geht es eigentlich, um Geschenke  nämlich. „Schenken Sie!!!“ trichtert uns die Werbung ein, und hat natürlich gleich die passende Lösung, nämlich die „Ideale Geschenkidee“. Dazu ist echt alles tauglich, vom passenden Stromtarif über natürlich das neueste Handy bis hin zum  Fleischklumpen aus der Fast Food Kette. Egal um welches Produkt es sich handelt, mit ein paar Schneeflocken und Sternchen in den Anzeigen und Spots ist es schon verweihnachtet. In den Werbespots sieht man auf modern getrimmte Typen mit modischem Bart und Hornbrille, die zur Bescherung zum ersten und einzigen Mal im Jahr statt des Anzugs einen buntgestrickten Almhüttenpullover tragen und von einer natürlich super jungen Frau in Stil und Figur eines Supermodels selig umarmt werden, weil sie endlich das wundervolle Parfum bekommen hat, das sie zur Erlangung des ultimativen Glücksgefühls unbedingt benötigt hatte.

Erstaunlich ist auch, daß in den Werbespots nur glückliche Familien vorkommen. Mit 2 Kindern, wohnhaft in einer traumhaften Wohnung oder Haus (mit neonbeleuchtetem Plastiksanta am Dach) und offensichtlich ausreichend Kohle. Da kommen keine Rollstuhlfahrer vor, keine Kranken, keine erschöpften Fließbandarbeiter, Alleinerzieherinnen und Kinettengraber, und schon gar keine einsame Menschen. Die Botschaft ist klar: krank, einsam und pleite hat man nicht zu sein, und was nicht sein darf, das gibt es einfach nicht, ist nicht vorgesehen…  Was für eine Zumutung für die, die sich den Konsumwahnsinn nicht leisten können, ständig daran erinnert zu werden, daß sie nicht zu den wohlhabenden Erfolgreichen gehören.

Und alle Jahre wieder das gleiche Spiel: „diesmal machen wir es anders, diesmal schenken wir einander nichts“ – und dann türmen sich wieder die Haufen an unsinnigen Zeugs (verpackt in Unmengen Sondermüll) und man zuckt die Achseln „is ja nur eine Kleinigkeit“ vor lauter Angst, schief angeschaut, doch nicht geliebt zu werden.

Früher gab es wenigstens das Christkind, das war viel sympathischer, leiser, nicht so aufdringlich, nicht so fordernd. Aber es ist kein Wunder, dass der Weihnachtsmann das Christkind längst verdrängt hat, denn wenn es das Christkind wirklich gäbe, hätte es sich längst angewidert zurückgezogen.

Weihnachten ist mutiert zu einer Chimäre, einer Blase voller Illusionen, einem aussagekräftigen Symbol für den neuen „-ismus“ unserer Zeit, nämlich dem Konsumismus – als direktem Nachfahren der allumfassenden Religiosität früherer Jahrhunderte (der man sich ebenso nicht entziehen  konnte) und den prägenden Ideologien des letzten Jahrhunderts. Und wie alle diese „-ismen“ der Vergangenheit beruht auch der aktuelle auf einer blanken Lüge, und erzählt uns den vollkommensten Schwachsinn, dem wir alle bereitwillig nachlaufen, weil wir dran glauben wollen, dass wir Wärme und Liebe kaufen können, weil man einfach dabei sein muss, weil es alle anderen auch so machen und weil die Menge der Menschen, die selber denkt und für sich entscheidet, immer schon kleiner war als die Menge derer, die nach vorgefertigten Schablonen leben. Und jedes Jahr wieder stöhnen die Menschen über den Stress, hetzen im  Dezember bei Eis und Schnee und Eis durch die Konsumtempeln und rennen von einer Weihnachtsfeier zur nächsten, anstatt sich hinterm warmen Ofen zu verkriechen und gemütlich drauf zu warten, daß die Tage wieder länger werden.

Eigentlich ist Weihnachten fast ein wenig so wie Krieg: Alle sind irgendwie dagegen, aber alle machen mit …. – aber soll die Menschheit doch immerhin lieber Weihnachten als Kriege veranstalten, aber muss man denn deswegen wochenlang rund um die Uhr damit belästigt werden?

Abschließend stellt sich die Frage, wie denn eigentlich Truthähne, Gänse oder Karpfen über Weihnachten denken…….

über die alten und die jungen Meister

19.10.2017

Angeregt durch einige interessante Diskussionen im privaten Kreis möchte ich mich In diesem meinem oktoberlichen Blog Beitrag mit dem Schreiben von Musik in älterer und neuerer Zeit befassen…

Wenn man ein Konzert in einem der großen Musentempel dieser Welt besucht, bekommt man oft sehr viel und auch sehr gute Musik von schon lange verstorbenen Komponisten zu hören. Da sitzt man da und lauscht der durchgeistigten Musik eines Johann Sebastian Bach, den virtuosen Klavierläufen eines Franz Liszt oder den gigantomanischen Werken eines Richard Wagner (das allerdings passiert mir eher weniger..), und kann kaum  nachvollziehen, wie diese Herren es bewerkstelligt haben, sich derartige Werke auszudenken und zu Papier zu bringen.

Jawohl, auf Papier! Denn anderes Handwerkszeug stand diesen Komponisten nicht zur Verfügung. Keine Computer, keine Notenschreibprogramme, keine  Tonstudios oder sonstige Maschinen, die für Komponisten unserer Tage selbstverständlich sind. Den Meistern früherer Zeit blieb wenig anderes übrig, als mit Bleistift oder Gänsekiel ihre Notenkringel auf Papier zu kritzeln, kratzend und patzend, teils auf selbst gezeichneten Notenlinien, wenn sie keinen Schüler hatten, der mit dieser Sklavenarbeit seine Musiktheorie Stunden beim Meister bezahlte…

Und dann war da noch der Notendruck: Eine extrem mühselige Angelegenheit, bei der die Noten mittels eines Stempels in die Druckplatten eingehämmert wurden. Dazu benötigte man einen Verleger, der das alles organisierte und  vor allem die Möglichkeiten hatte, den sehr teuren Herstellungsprozess vorzufinanzieren. Im Vergleich dazu kann heutzutage jeder Schreiberling seine Noten mittels eines Notensatzprogramms sehr schnell ziemlich professionell aussehen lassen und dann auch gleich via Drucker und Kopierer beliebig und billig vervielfältigen.

Doch abgesehen von den vorhandenen drucktechnischen Möglichkeiten: Wie haben es diese Komponisten geschafft, solche gigantischen Werke nur aus Ihrer Vorstellungskraft heraus festzuhalten? Von manchem Genie ist überliefert, daß ihm nicht mal ein Klavier zur Verfügung stand und die ganze Partitur einfach so ohne Korrekturen hingeschrieben wurde, wie im Fall von Mozart unter extremem Zeitdruck eine Stunde vor der Premiere, so dass ihm die halbfertige Partitur von den Kopisten aus der Hand gerissen wurde, um die Einzelstimmen für die Musiker abzuschreiben, die dann natürlich keine Probe hatten, sondern das Ganze vom Blatt spielten..

Natürlich waren die Umstände ganz andere – es gab keine ständig klingenden Handys, keine dringend zu beantwortenden Emails, kein Radio und kein Fernsehen, die abgelenkt hätten, keine Polizeisirenen und keine Zeitfresser wie Facebook & Co. Da wurde der kleine Johann Sebastian oder Ludwig als Dreikäsehoch in die Domschule geschickt und dort einige Jahre lang mehrmals die Woche mit niemals enden wollenden Harmonieaufgaben und dem „Gradus ad Parnassus“ traktiert , bis er jede Modulation im Tiefschlaf auf ein Tischtuch hätte schreiben können. Wurde er bei einer Quintparallele ertappt,  hat der arme Kerl wohl noch mit dem Lineal eins auf die Finger bekommen (nicht dass ich solche Erziehungsmethoden befürworten würde…), aber irgendwann waren die Burschen damals wohl so fit in ihrem musiktheoretischen Handwerkszeug, daß sie jede beliebige Melodie einfach so endlos ausführen und in beliebiger Besetzung in jedem damals bekannten Stil aussetzen konnten.  Anders wäre es wohl undenkbar gewesen, dass Wolfgang Amadeus Mozart in seinem kurzen Leben mehr gute Musik komponiert hat, als so mancher Notenkopist in der gleichen Zeit hätte abschreiben können oder daß Wagner seine irren germanisch-schwülstigen Musikdramata am Stehpult schrieb – wenn man bedenkt, daß Beethoven bei der Komposition seiner letzten Werke bereits stocktaub war, wird die Sache noch unvorstellbarer. Was für eine ungeheure Routine und Vorstellungskraft, welcher Fleiss! Und natürlich eine Riesenmenge an Talent und Besessenheit…

Doch Talent und Besessenheit haben auch die Komponisten und Musiker von heute, und fleißig sind sie auch. Aber der Rest? Wie stünde es um die Musik heute, wenn es die modernen Hilfsmittel wie Sequenzing- und Notenschreibprogramme nicht gäbe? Ich wage zu behaupten, es gäbe zumindest keine Popmusik, wie sie uns rund um die Uhr im Radio vorgesetzt wird, oder zumindest bei weitem nicht so viel davon, und vor allem nicht so viel gleich oder ähnlich klingende .  Jeder der sich Komponist nennen will, kauft sich eine „worc station“ und beginnt, per Versuch und Irrtum solange herum zu probieren, dieses dann mit diversen und Effekten und Beats aus der Dose zu versehen, bis es dann nach langem hin und her doch einigermaßen nach etwas klingt. Danach kommt er sich toll vor, veröffentlicht das Ergebnis digital und wartet auf den Tantiemenregen.

Natürlich gibt es auch wirklich tolle Popmusik und viele Kollegen, die weit mehr können als nur die rechte Hand für einen Streichersatz aufs Keyboard zu legen und das Ergebnis dann unformatiert auszudrucken. Aber ob die wahren Könner in der Mehrheit sind, wage ich zu bezweifeln, denn die Versuchung, sich durch die moderne Sequenzer Technik mit gesampleten Sounds, Loops und Effekten in den Möglichkeiten der Technik zu verlieren, ist zu groß, und erscheint auf den ersten Blick auch sehr viel einfacher, als sich Kenntnisse über einen fünften oder gar sechsten Akkord anzueignen.

Das Virtuose Beherrschen der technischen Möglilchkeiten ist nun auch wieder eine Kunst für sich, und nur weil einer ausschließlich mit Beats und Loops am PC  arbeitet und nicht mit der Schönberg’schen Harmonielehre, ist er noch lange kein schlechter Musiker und/oder Komponist.  Wahrscheinlich ist es auch ebenso viel Aufwand, mit den heutigen technischen Möglichkeiten zurechtzukommen, wie vor 150 Jahren das wohltemperierte Klavier und den alten Palestrina zu studieren – vielleicht hätten die alten Meister einen ebenso großen Respekt vor so manchem kreativen DJ gehabt wie viele heute Computerkünstler vor den Herren Mahler, Haydn, Liszt, und Schubert, mit Sicherheit aber hätten Sie an Zauberei oder ähnliches gedacht, religiös wie viele von ihnen damals waren, und Mozart wäre vielleicht der allerwildeste Elektroniker geworden…

Ohne Zweifel hat die Technik sehr viel Musik möglich gemacht, die früher unvorstellbar gewesen wäre – doch eine gelegentliche Rückbesinnung auf das „alte“ Handwerk mit Papier und Bleistift am Klavier könnte auch der modernen Musik mitsamt ihrer Technik nicht schaden.  Und moderne Musiker, deren Horizont weiter reicht als bis zur nächsten Version von diesem oder jenem Computerprogramm, werden das wohl auch immer tun.

Durch die Computerisierung der Musik sind natürlich auch viele Pfuscher und Scharlatane am Werk, deren Qualitäten kaum  über musikalische Basics hinausreichen und mehr im Verkaufen von banalem Tonmaterial  als im echten Musikschreiben liegen. Aber solche gab es zu Mozart’s und Brahm’s Zeiten auch, denn es wurde auch früher viel Mist geschrieben und  verkauft. Marketing war auch schon zu Händel’s Zeiten ein Schlüssel zum wirtschaftlichen Erfolg. Doch die Namen der allermeisten sogenannten Komponisten früherer Tage waren schon vergessen, als noch Erde auf ihr Grab geschaufelt wurde und ihre Werke schimmeln in verstaubten Bibliotheken vor sich hin.

Allerdings, um wirklich und vollständig „oldstyle“ arbeiten zu können, müsste man morgens auch sehr früh aufstehen – die alten Meister waren nämlich auf Tages- und Kerzenlicht  angewiesen, denn elektrisches  gab es noch nicht.

– Meine Noten kommen übrigens auch aus dem Drucker…..

Über das Sein und den Schein….

20.9.2017

In diesem septemberlichen Blog Beitrag möchte ich mich mit den so unfassbar aktuellen Social Media Dingern befassen, also mit Youtube, Facebook, Twitter und wie sie alle heißen mögen.

Wann immer man mit Leuten spricht, die sich angeblich im Business auskennen, mit echten oder selbst ernannten Experten, mit Marketingleuten und dergleichen Volk, bekommt man als erstes zu hören, dass es ohne Social Media nicht geht und dass ein hoch professioneller Youtube Auftritt, ein Wahnsinns Video zu einem Song und/oder eine mächtig tolle Facebook Seite der allererste Schritt, wenn nicht gar der eigentliche Schlüssel zum Erfolg sind.

Keine Frage, ganz ohne diese modernen Dinger geht es nicht mehr. Die Entwicklung der letzten Jahre ist ohne Zweifel unumkehrbar. Ein Künstler, der seine Veranstaltungen nicht auf Facebook teilt, der keine Homepage unterhält und nicht gelegentlich auf Youtube auftaucht, ist so gut wie nicht vorhanden. Die potentiellen Konzertbesucher, die sich am Samstag Abend um 17 Uhr überlegen, wo sie denn heute hingehen möchten, schauen als erstes ins Internet, welches Konzert, welche Veranstaltung denn in ihrer Nähe bei leistbarem Eintritt zu besuchen wäre. Es werden kaum CD´s gekauft (höchstens bei Live Auftritten, zu denen die Leute wieder nur übers Internet kommen), Musik wird auf Spotify gehört und auf Itunes runtergeladen, und was der Musikkonsument hören wollen soll, erfährt er wiederum vor allem aus dem Internet, und hier über Facebook & Co. Die im Radio zu hörenden Künstler kommen fast alle aus den USA und werden kaum im lauschigen Club oder Musikcafé um die Ecke auftreten, abgesehen davon, dass für die meisten Künstler Airplay im Radio eine nahezu unerreichbare Sache ist, wenn sie nicht einen mächtigen Werbeapparat und entsprechendes Budget im Rücken haben, also eine potente Plattenfirma (die dann wiederum den ganzen Social Media Zinnober für sie erledigt…).

Also rein ins Internet und drauf los gepostet…. – sollte man meinen. Hauptsache die Facebook Seite sieht toll aus und Dein Youtube Kanal hat ein möglichst professionelles Intro, dann wird die Sache schon laufen und der Rubel rollen.

Wer ein wenig Einblick hat, weiß, dass mit den Werkzeugen, die schon ein durchschnittlicher Laptop zur Verfügung hat, so gut wie alles auf Hochglanz poliert werden kann. Ein geschickter Tontechniker mit halbwegs professionellem Equipment, das heutzutage auf jedem besserem Taschenrechner läuft und um erstaunlich wenig Geld zu bekommen ist, kann aus einer krächzenden Krähe ebenso eine trällernde Nachtigall zaubern wie ein geschickter Photoshop User aus einem hässlichen Entlein einen schillernden Schwan. Also auch hier, rein ins Vergnügen und los geht´s, und schon ist der Erfolg garantiert.

Aber ist das denn nun alles? Nun legt man also los, setzt sich an den Rechner und stellt fest, dass das alles so einfach nun doch wieder nicht ist. Auf den ersten Blick sind diese Werkzeuge wunderbar und supertoll, aber dann stellt man fest, dass man richtig viel Zeit investieren muss, um sie auch handhaben zu können, um zu lernen, wie man seine manchmal schiefe Stimme und immer krumme Nase gerade biegt, und das Ergebnis dann in der richtigen Facebook Gruppe an die richtigen Leute zu bringen. Und plötzlich ist man kein Songschreiber, kein Künstler mehr, sondern ein Techno- und Medien Freak, der alles andere macht, außer das, wofür er sich das alles eigentlich antut, nämlich Lieder schreiben und Musik machen…

Und somit sind wir auch beim Titel dieses Blog-Beitrags angelangt – dies alles dient doch nur dem Schein, und hat immer weniger mit dem zu tun, was wir sind. Was nutzt mir ein hochglanzpoliertes teuer produziertes Video, wenn darin von mir selbst nix mehr da ist, wenn mir bei  jedem Schritt den ich tue, ein Manager sagt, dass ich irgendwie anders schreiten soll, denn das „kommt besser“, und dies und jenes „geht gar nicht, weil die anderen machen es auch nicht..“, wenn ich bei jeder Äußerung und bei jeder Meinung drauf achten muß, ob sie den Regeln des Marketing entspricht? Da hätte ich wohl das mit dem Lieder schreiben bleiben lassen und gleich Politiker werden können. Am Ende ist es völlig egal, ob Deine eigentliche Arbeit, also Deine Songs, irgendeine Qualität und/oder eine Aussage haben, wenn es ausschließlich auf die Vermarktung ankommt. Scheißegal was und wie Du es machst, es muss nur im Netz gut verkauft werden….

Also ein zweischneidiges Schwert. Ohne geht es nicht, aber man darf sich auch nicht von den Möglichkeiten blenden lassen, denn am Ende wird man vielleicht scheinen, aber kaum noch etwas sein. Dies gilt wohl ebenso für die Künstler, die ihr Marketing selber machen müssen wie für die wenigen Privilegierten, die eine fette Plattenfirma hinter sich haben. Denn für die ist es wohl ebenso schwer, sich selbst treu zu bleiben, angesichts des Apparates dahinter, der durch Werbeeinnahmen aus Youtube Videos und Merchandizing Aktionen finanziert werden muss.

Keine Frage, man wird keinen für den Handel oder fürs Radio bestimmten Tonträger ohne professionelle Tools produzieren, so wie man heute seine Texte am Computer und nicht mit der Gänsekielfeder schreibt, aber man kann sich mal ruhig ans Klavier setzen und einen Song einfach nur so aufnehmen und sowohl sich selbst als auch das Lied einfach das sein lassen, was es ist, auch ohne fette Software und Hochglanzpolitur, wie im wirklichen Leben – in Hoffnung, dass sich doch der eine oder andere Zuhörer findet, der einen Song um seiner selbst willen und nicht um seiner Effekte willen schätzt –  denn ob er nur den lackierten Schein oder das echte Sein vorgesetzt bekommen will, das muss jeder für sich selbst entscheiden.

Über das Covern

16.8.2017

Covern, das bedeutet, daß ein vortragender Künstler nicht selbst  geschriebene, sondern von Anderen verfasste Songs bei seinen Auftritten zum Besten gibt oder gar auf Tonträger aufnimmt. Und da stellt sich nun die Frage, warum man denn so etwas machen sollte, wo es doch eigentlich viel originärer wäre, seine eigenen Werke zum Vortrag zu bringen, schon mal aus dem pragmatischen Grund, dass man dann selbst die Aufführungstantiemen – so gering sie in der Praxis bei den meisten auch sein mögen – einstreift und nicht der Urheber des gecoverten Songs.  Dennoch tun es eine Menge Bands,  Liedervorträger (- denn Lieder MACHER kann man dann wohl kaum dazu sagen) und der Trend ist ungebrochen…

Nun ja, da gibt es  auch praktische Gründe: z.B. eine Band spielt zur Party auf – da geht es nicht ohne Covers, die sind schnell vorbereitet, ein Repertoire für eine Partynacht sich eigenständig anzukomponieren, würde Jahre dauern, aber vor allem: die Songs sind bekannt aus Radio und Youtube und und können vom Publikum mitgegröhlt werden. Die Leute wollen und sollen ihren Spaß haben, dazu sind wir Musiker schließlich da, das gilt für den DJ genauso wie für den Sologeiger im Musikvereinssaal  und natürlich auch für den Singer/Songwriter.

Aber genau das ist andererseits auch ein Problem, besonders für diejenigen, die nicht „zum Shaken“ und „Stimmung machen“ aufspielen, sondern bei Konzerten, sich womöglich selbst verwirklichen wollen oder ein Publikum mit auf eine Reise von Geschichten nehmen wollen. Denn diese haben oft aus genau diesem Grund Schwierigkeiten, eine Location für ihre Konzerte zu finden. Wie oft hört man als Musiker vom Veranstalter: „eigene Liada? – na bitte ned, kane eigenen Liada, des kennt jo kana, des wü kana hean, spü Schifoahn oder in Zentralfriedhof, dann kummans g’rennt die Leit…“  – der Betreiber der Location hat natürlich Angst, dass bei einem weniger bis gar nicht bekannnten Act auch kein Publikum erscheint, welches durch eifrige Konsumation die Kassa füllt. Aus seiner Sicht natürlich verständlich – aber wie sollen denn jemals neue Songs bekannt werden, wenn diese niemals aufgeführt werden können, bis sie endlich selbst so bekannnt sind, dass wiederum sie von anderen gecovert werden können? Und wie sollen Songs denn  Airplay im Radio bekommen, wenn die Programmmacher (wie in vielen Sendern Usus) seit 40 jahren die gleichen 50 Songs rauf und runter spielen, vor lauter Angst, es könnte was dabei sein, was irgendwem nicht gefällt, weil er es nicht kennt?

So bleiben denn nun viele Songs, die es wert wären, gehört zu werden, in den Schubladen frustrierter Liederschreiber liegen, die irgendwie das Gefühl haben, schon von vorneherein keine Chance zu haben, weswegen sie gar keine Tonträger mehr aufnehmen, die im Radio gespielt werden könnten (wenn sie es denn bis zum Programmchef schaffen würden, ohne daß ein Major Label anschiebt), während weiterhin zahlreiche „Tribute to XY…“ Veranstaltungen die immer gleichen Lieder der immer gleichen Urgesteine jahrzehntelang bis zum nicht mehr Wiedererkennen wiederholen.

Nun gibt es aber auch viele Musiker, denen es einfach Spaß macht, die Gitarre in die Hand zu nehmen und  einfach nur  Songs zu spielen. Ohne Komplikationen, ohne Kopfzerbrechen, einfach so,  nur Musik machen – na ja und für die ist das Vorhandensein eines Repertoires an vorhandenen Songs natürlich ein Segen. Nicht jeder, der gerne Musik macht, ist in der Lage, auch selbst Lieder zu schreiben, und die meisten von ihnen wissen das auch und das hat absolut seine Berechtigung.

Also wie man sieht, ein vielschichtiges Thema, diese Song Coverei, und wer als selbst Lieder schreibender Musikant ehrlich zu sich selber ist, wird wohl gestehen, daß er sich manchmal ein wenig gekränkt fühlt, dass es nicht seine Songs diejenigen  sind, die gecovert werden und wünscht sich oft ein Publikum, das an Neuem interessierter ist und weniger dem Altbekannten huldigt – bis womöglich die eigenen Songs das Altbekannte geworden sind, und so beginnt sich der Kreis in leiser Ironie von neuem zu drehen.

Alllerdings und abschließend: Wenn man es als Liedermacher (noch) nicht geschafft hat, die großen Hallen bespielen, dann kann man das eigentlich genauso gut mit den eigenen Songs machen….

 

Über das Singen und Spielen…

13.6.2017

Hier ist er also nun, mein erster Blog Beitrag – und was liegt näher, als sich als Erstes mit dem Wesentlichen zu befassen, nämlich mit dem Singen und Spielen von Liedern, vor allem mit dem von selbst geschriebenen solchen.
Was treibt einen Menschen dazu, sich quasi öffentlich nackt auszuziehen, sich (beinahe) allein vor einer Gruppe von Menschen aufzupflanzen und zu erwarten, daß sich diese  für die eigenen Geschichten interessieren, Applaus spenden, sich mit auf die Reise in die eigenen Welten zu begeben und womöglich dafür noch Eintritt bezahlen?

Beginnen wir mit der prosaischsten aller menschlichen Eigenschaften, nämlich persönliche Eitelkeit: Diese ist ganz bestimmt nicht zu leugnen. Jeder Künstler, ob er nun seine Lieder singt, die er sich im mühsamen Schaffensprozess aus den Fingern gesogen hat, oder auf einem Instrument zeigt, was er in langen Jahren des Übens nicht alles erlernt hat, möchte Applaus ernten, ein wenig Bewunderung ernten und dadurch das Gefühl bekommen,  daß sein Tun, aus eigenem Antrieb begonnen, nicht völlig sinnlos ist und eben nicht  nur der Selbstbeweihräucherung dient.  Man darf es ruhig zugeben, und welcher Künstler dies leugnet, wird wohl ein wenig die Augen vor seinen eigenen Schwächen verschließen. Auch das ist menschlich, aber wohl etwas weniger ehrlich.

Doch reicht der Drang nach persönlicher Befriedigung aus? Darf oder kann man mit seiner persönlichen Eitelkeit rechtfertigen, seine Zuhörer beglücken zu wollen, sich auf die Bühne zu stellen und sich für wichtig genug zu halten,  für die Dauer eines Abends deren ungeteilte Aufmerksamkeit zu erheischen? Da braucht es doch auch etwas mehr als nur zu sagen: „ich bin so toll, jetzt müßt ihr mir zuhören…“

Jeder Musiker träumt wohl darüber hinaus davon, mit seinen Liedern mehr zu erreichen als schnellen Applaus und eine volle Hütte. Abgesehen vom Streben nach wirtschaftlichem Gewinn, dessen Erreichen wohl bei den allermeisten Liedermachern sowieso immer nur ein Wunschtraum bleiben wird (ein paar Hitpararadenstürmer ausgenommen) muss es doch noch mehr geben, was dies alles rechtfertigt. Und hier geraten die meisten Künstler in Erklärungsnotstand.  Also doch nur persönliche Eitelkeit?

Manchmal jedoch gelingt es, die Menschen abzuholen mit seinen Geschichten, mit seiner Musik und mit seinen Texten. In seltenen Momenten gelingt es, daß im Raum alles still wird, daß eine eigene Magie einzieht,  daß Künstler und Publikum für ein paar kostbare Minuten innerlich an einem Strang ziehen und auf einer Welle schwimmen. Dann bekommt man eine Ahnung davon, daß man nicht nur nimmt (Zeit , Eintrittsgeld und Aufmerksamkeit) sondern auch gibt, nämlich das Gefühl etwas auszudrücken, etwas, das der Zuhörer vielleicht selbst genau so gesagt haben würde, wenn er selbst Künstler wäre und nicht vielleicht Rechtsanwalt,  Mauerer oder Botenfahrer, wenn er das Handwerkszeug hätte, seine Emotionen passend und treffend in Worte und Töne zu fassen und nicht stattdessen etwas anderes und wahrscheinlich viel  Nützlicheres gelernt hätte.

Wenn nun das gelingt, und der Besucher eines Konzertes, der Käufer einer CD sich zurücklehnt und sich selbst wiederfindet, in sich eine Saite klingen spürt, nach deren Klang er unbewußt schon länger gesucht hatte, dann hätte der Künstler wohl seine nobelste Aufgabe erfüllt. Und das wiederum gibt dem Künstler die Befriedigung, etwas Nützliches getan zu haben.

Also doch wieder nur persönliche Eitelkeit?

Wie man es dreht und wendet, eines bleibt  für Künstler und Publikum doch wohl das Wichtigste: Es macht einfach nur Spaß – und das ist doch schon eine ganz gute Rechtfertigung…